Kunstförderer
Zu den prominenten Mitgliedern, die die Wiederbegründung aktiv betrieben haben, gehört Hilde Weström, Architektin und Kunstfreundin. Sie sah ihre Aufgabe als Kunstfreundin darin, Künstlerinnen und Kunstfreunde zusammenzubringen und Interesse und Aufmerksamkeit an der Frauenarbeit in der Kunst zu wecken. Es wuchs eine Gemeinschaft heran, die es sich zur Aufgabe machte, Wege in die Öffentlichkeit zu suchen, Verbindungen herzustellen, um Künstlerinnen zu fördern, aber sich auch ganz praktisch für die Realisierung von Veranstaltungen einzusetzen.
Diese Veranstaltungen fanden in den Privatwohnungen und -häusern der Kunstfreunde statt mit Autorinnenlesungen, musikalischen Darbietungen, Rezitationen und Ausstellungen. Dabei konnten sich auch Interessierte und Freunde, die den Kontakt zur GEDOK suchten, kennenlernen.
Die veränderten Bedingungen auf dem Kunstmarkt erforderten, dass Künstlerinnen zunehmend darauf angewiesen waren, aus diesem relativ engen gesellschaftlichen Kreis herauszutreten und in einer breiteren Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Wichtigste Aufgabe war es nun, verstärkt an die Öffentlichkeit zu treten, die Zahl der Kunstfreunde zu vermehren und ein Netzwerk zu schaffen, das den Künstlerinnen eine stärkere Präsenz verschaffte. Deshalb übernahmen es die Kunstfreundinnen mit Beginn der 70er Jahre nun auch, die organisatorischen Vorarbeiten für Auftritte, Ausstellungen und sonstige künstlerische Darbietungen zu leisten, während der Ausstellungen Hilfestellung zu geben, Aufsichten zu übernehmen sowie administrative Aufgaben zu erfüllen, wie z. B. Abrechnungen oder die Korrespondenz zu führen mit Galerien, Kunstämtern und anderen Institutionen. Die Vorstandsarbeit wird seit dieser Zeit nur noch von Kunstförderinnen geleistet.
Mit Beginn der 70er Jahre werden darüber hinaus Forderungen nach gleicher Teilhabe von Frauen im Kulturbereich gestellt. Ein erster Erfolg dieser mit Künstlerinnen außerhalb der GEDOK formulierten frauenpolitischen Forderungen ist die Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft Frauen bei der Senatsverwaltung für Kultur. Das daraus resultierende Künstlerinnenprogramm in den 90er Jahren vergibt nun öffentliche Mittel, für Projekte der GEDOK. Renommierte Ausstellungs- und Veranstaltungsorte stehen jetzt zur Verfügung: Künstlerwerkstatt Bahnhof Westend, Künstlerhaus Bethanien, Parochialkirche, Galerie am Körnerpark, Ausstellungshalle am Fernsehturm, St. Matthäus-Kirche, Apollo-Saal in der Deutschen Staatsoper, Otto-Braun-Saal in der Staatsbibliothek oder das Literaturhaus in der Fasananstraße.
Kunstfreundinnen sind in anderen Kultur- und Frauengremien vertreten, um die Interessen des Vereins wahrzunehmen; im Vorstand der BundesGEDOK ist auch eine Vertreterin der GEDOK Berlin. Die drei Mal jährlich erscheinenden GEDOKnachrichten werden ebenfalls von Kunstfreundinnen gemacht.
Wie bei den künstlerischen Fachgruppen, gibt es auch bei den Kunstförderinnen eine Fachbeirätin, deren Aufgabe es ist, zwischen den Künstlerinnen und Kunstfreunden zu vermitteln: Atelierbesuche zu organisieren, Führungen durch Galerien und Ausstellungen in Berlin und anderen Orten zu ermöglichen. Diese Aktivitäten haben u. a. den Sinn, bei den Kunstfreunden Interesse und Verständnis für moderne Kunstrichtungen zu wecken, deren Vertreterinnen die Künstlerinnen der GEDOK sind. Auch die Salonkultur ist wieder etwas aufgelebt. In den Privaträumen der Fachbeirätin und anderer Kunstförderinnen finden kleine Konzerte und kleine Feste statt, um die Kunstfreunde, den Vorstand und die Künstlerinnen zusammenzuführen mit dem Ziel gegenseitiger Anregung und persönlicher Kontakte.
